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Erdgas in der Landwirtschaft: Was haben Lebensmittelpreise mit dem Gaspreis zu tun?

Denkt man an einem Bauernhof und den Energiebedarf für die Aufrechterhaltung des Betriebes, fällt einem zuerst der Diesel für den Traktor ein oder der Strom für Maschinen, Beleuchtung und für die Heizung der Ställe.

Doch ein großer Teil der Energie, welcher in der modernen Landwirtschaft zum Einsatz kommt, steckt in unscheinbaren weißen Kügelchen. Dabei handelt es sich meist um Kalkammonsalpeter, Phosphat oder Harnstoff - kurz Stickstoff.

Stickstoff ist ein notwendiger Nährstoff für Lebewesen. Um Erträge zu steigern wird deshalb in der Landwirtschaft mineralischer und organischer Stickstoffdünger eingesetzt. Vereinfacht gesagt: Mehr Stickstoff, mehr Erträge.

Zu unterscheiden ist zwischen natürlichen Stickstoffdüngern (z.B. Gülle, Mist, Hornspäne) und künstlichen Stickstoffdüngern (z.B. Kalkammonsalpeter, Harnstoff, Phosphat).

Zu viel Stickstoff ist aber auch nicht gut, da zu viel dieses Düngers Wasser und Ökosysteme belastet. Der Stickstoff gefährdet als Nitrat das Grundwasser und trägt zur Überversorgung von Oberflächengewässern und Ökosystemen bei.

Kalkammonsalpeter

Kalkammonsalpeter ist einer der wichtigsten künstlichen Stickstoff-Dünger. Foto (c): User:Rasbak CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Wie wird künstlicher Stickstoff hergestellt?

In Chemiewerken wird Stickstoffdünger aus Erdgas hergestellt. Erdgas wird in mehreren Verarbeitungsschritten durch die Verbindung mit Stickstoff aus der Luft zu einem stickstoffhaltigen Dünger.

Gut 80 % des eingesetzten Erdgases sind das Rohmaterial für den Dünger, die übrigen 20 % des Erdgases werden zur Erhitzung und zur Stromerzeugung verwendet.

Gas dient daher sowohl als Rohstoff, als auch als Energiequelle für den Herstellungsprozess.

Einsatz von Stickstoff in der konventionellen Landwirtschaft und der Bio-Landwirtschaft

In der biologischen Landwirtschaft ist künstlicher Stickstoff verboten. Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern können lediglich organischen Dünger wie Gülle, Mist oder Kompost auf den Feldern ausbringen. Tierische Reste wie Hornspäne (aus Hörner von Rindern) kommen ebenfalls zum Einsatz.

Auch Leguminosen kommen zum Einsatz. Diese Pflanzen haben die Eigenschaft, dass sie den Boden von Natur aus mit Stickstoff anreichern. Leguminosen sind zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Ackerbohne, Erbse, Linse und Soja aber auch Futterpflanzen wie Klee- oder Luzernegras.

Die Leguminosen werden oft als Zwischenfrüchte angebaut und auch nicht immer geerntet, sondern als Gründünger in den Boden eingearbeitet, um den künstlichen Stickstoffdünger zu ersetzen. Der erzeugte Stickstoff bleibt so für die folgenden Kulturen (z.B. Getreide, Mais oder Kartoffeln) im Boden.

Soja

Leguminosen - wie zum Beispiel Soja - erzeugen auf natürlichem Wege Stickstoff.

Der Nachteil: In der biologischen Landwirtschaft können dafür nicht so hohe Erträge erzielt werden, wie in der konventionellen Landwirtschaft.

In der konventionellen Landwirtschaft kommt zusätzlich zum natürlichen Stickstoff eben auch noch künstlicher Stickstoff zum Einsatz. Das erleichtert die Bewirtschaftung und steigert die Erträge.

Lebensmittelpreise hängen durch den Stickstoffeinsatz stark am Gaspreis

Desto höher der Gaspreis, desto höher auch die Preise für Lebensmittel. Vielfach haben hochwertige Bio-Produkte mittlerweile durch den hohen Gaspreis fast den gleichen Preis, wie Produkte aus konventioneller Landwirtschaft. Ab-Hof sind viele Bio-Produkte sogar günstiger.

Wie kann das sein? Biopreise hängen eben nicht so stark an Gaspreisen, da kein extrem energieintensiver künstlicher Stickstoff zum Einsatz kommt.

Das ist auch der Grund, warum die Produktionskosten im Bio-Bereich nicht so stark gestiegen sind.

Auch Futtermittelimporte vom anderen Ende Welt gibt es in der Bio-Landwirtschaft nicht. Faktoren, wieso sich die Preise von Bioprodukten und Produkten aus konventioneller Landwirtschaft derzeit immer mehr annähern.

Mehr zum Thema hier:

Düngung im ökologischen Landbau

Stickstoff | Umweltbundesamt

Ide­en ge­gen ei­nen ver­bor­ge­nen Kli­ma­kil­ler

Hohe Gas- und Lebensmittelpreise - was ist der Zusammenhang?

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